KW 1 – the age of un-innocene ?

KW 1 – the age of un-innocene ?

„Welcome to the age of un-innocence. No one has breakfast at Tiffany’s and no one has affairs to remember.“ (Carrie Bradshaw)

Jaja, ich weiß, eine Kolumne mit einem „Sex and the City“-Zitat zu beginnen, ist ein totales Klischee, aber diesen Satz sagte Carrie in der ersten Folge der Serie und er blieb über alle 6 Staffeln bei mir hängen. Wer hätte gedacht, dass eine Aussage, die 1998 über das Dating-Verhalten getätigt wurde, genauso gut 2018/19 hätte fallen können?

Kalenderwoche Eins steht für mich im Zeichen des „Datings“. Am Mittwoch startete die erste Folge der diesjährigen Bachelor-Staffel und heute ist der offizielle Tag des Kuschelns. Halleluja! Ich bekam richtig Lust auf ein Date. Aber wie? Die schnellste und einfachste Möglichkeit wäre natürlich Tinder, aber auf die vielen oberflächlichen Unterhaltungen und die nervigen Sex-Anfragen, hatte ich eigentliche keine große Lust. Ich überlegte also lange hin- und her und installierte dann doch die App. Auf der einen Seite wollte ich also ein Date und auf der anderen Seite war ich total unsicher und lustlos.

Warum leben wir im Zeitalter der “Unschuldlosigkeit?” Warum sind wir die Generation der Unzuverlässigkeit und wieso dominiert der Selbstschutz in Form von Freundschaft+ oder ähnlichen lockeren Beziehungen, in denen wir keine Verantwortung für den anderen übernehmen müssen? Versteht mich nicht falsch, wie schon in meinem letzten Dating-Beitrag erwähnt, bin ich ja selbst nicht vehement auf der Suche nach der großen Liebe, aber mir macht das aktuelle Dating-Verhalten meiner Generation keinen Spaß.

Problem 1: Jeder trägt quasi von Anfang an ein Etikett mit „Ich suche …“ und legt damit schon vor dem ersten Date fest, was sich aus der folgenden Begegnung entwickeln könnte. Warum können wir nicht einfach jemanden kennenlernen und gucken was daraus wird? Vielleicht ist es die große Liebe, vielleicht auch nur ein wunderschöner, kurzer Flirt oder eine lockere Freundschaft (ohne Plus). Wieso müssen wir uns schon vorher festlegen und in Sachen „Liebe“ so unflexibel sein?

Problem 2: Dazu kommt, dass ich mich manchmal wirklich frage, wo die Ehrlichkeit und der Respekt geblieben sind. Beim Dating geht es doch schließlich um zwei Personen. Es ist also kein Egotrip, bei dem man ohne Rücksicht auf Verluste, einfach sein Ding durchziehen sollte. Alles cool und spaßig, so lange die ganze Sache locker läuft, sobald aber einer Exklusivität und Loyalität möchte, wird’s kompliziert. Überlegt mal selbst, wie viele Freunde ihr habt, die sich in einer verzwickten, lockeren Sache befinden und mehr möchten? Der Partner weiß das, vertröstet aber weiterhin mit irgendwelchen Versprechen.

Wir wollen frei sein, uns nicht festlegen und sind deshalb oft nicht ehrlich und egoistisch.

Phänomene wie „Ghosting“, „Benching“ oder „Zombieing“ sind für mich der perfekte Beweis für den fehlenden Respekt in unserem Dating-Verhalten und werden, wenn überhaupt, einfach mit dem Satz „ich wollte ja eh nichts festes“ gerechtfertigt und gut ist.

Problem 3:  „Ich möchte nichts festes“ – Kommt es mir nur so vor oder haben wir Angst vor festen Beziehungen? Abgesehen von den beliebten Beziehungs-Alternativen, brauchen wir ganz schön lange, um uns festzulegen. In der Generation meiner Mutter, war man schon nach einem Kuss offiziell zusammen. Heutzutage braucht man erstmal mehrere Monate, um sich wirklich sicher zu sein. Aber wieso? Eine Beziehung ist doch nicht in Stein gemeißelt und beinhaltet definitiv auch keine Verträge und Unterschriften. Wieso können wir es also nicht einfach ausprobieren? Haben wir Angst, etwas anderes zu verpassen oder sind wir einfach nicht mutig genug ein Risiko einzugehen?

Nach den ersten zwei Stunden auf Tinder kamen auch die ersten Nachrichten und ich wünschte mir, dass mich jemand vielleicht vom Gegenteil überzeugt und mir zeigt, dass ich mich mit den oben genannten Problemen irre. Ich würde gerne jemanden kennenlernen, der locker, offen und ehrlich ist. Der keine Spielchen und Taktiken nötig hat. Jemanden ohne vorher festgelegtes Etikett, mit dem man einen entspannten Abend genießen kann und der keine Angst hat Verantwortungen zu übernehmen, aber ist das realistisch?

Ich wünsche Dir eine wundervolle Woche!

Deine Solveig

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