KW 2 – uncertainty – feminism

KW 2 – uncertainty – feminism

„As women, we must stand up for each other” (Michelle Obama)

Wenn mich jemand fragt, ob ich eine Feministin bin, antworte ich ohne lange nachzudenken mit „Ja, natürlich“. Allerdings bin ich mir bei dieser Antwort oft sehr unsicher, denn was macht eine Feministin aus? Genügt es die Werte und Ziele der sozialen Bewegung zu teilen und sich für Gleichberechtigung und Selbstbestimmung im Alltag einzusetzen oder braucht es eine aktive Teilnahme an Demonstrationen und Aktionen? In den letzten Wochen habe ich mich oft mit dem Thema beschäftigt und darüber nachgedacht, wie unsicher ich doch mit der Bezeichnung „Feministin“ umgehe.

Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der es die klassische Rollenverteilung schon früh nicht mehr gab. Nach der Scheidung meiner Eltern zogen wir in eine andere Stadt und ich hatte auf einmal eine alleinerziehende Mutter. Trotz liebevollem und regelmäßigem Kontakt zu meinem Dad, unterschieden wir uns nun von den anderen Familien. Es gab keine Mutter-Vater-Kind-Idylle mehr. Meine Mutter war keine typische Hausfrau, die rund um die Uhr zuhause war und mit dem fertigen Essen auf uns wartete. Sie musste komplett neu anfangen und machte im Alter von 40 Jahren nochmal eine Berufsausbildung.

Sie kämpfte | Für uns und für sich | Für ein eigenständiges Leben

Wieso ich das erzähle? Die Erfahrungen meiner Mutter veranlassten sie, mir Folgendes mit auf den Weg zu geben: Mach dich nie von einem Mann abhängig. Steh auf deinen eigenen Füßen und finde einen Job, der dir finanzielle Freiheit schenkt. Obwohl meine Mutter, mich und meine Schwester auf eine sehr offene und emanzipierte Art und Weise erzogen hatte, war Feminismus in unserer Familie nie ein großes Thema. Unter einer Feministin stellte ich mir lange Zeit eine unrasierte Öko-Frau mit ausgeprägtem Männerhass vor. Erst während des Studiums setzte ich mich mehr mit dem Thema auseinander. Ich lernte, dass auch heutzutage noch Mechanismen und Strukturen in unserer Gesellschaft dominieren, die das Leben einer Frau beherrschen und dass es im Feminismus genau darum geht, vorherrschende Systeme kritisch zu hinterfragen und für Gleichberechtigung und Selbstbestimmung zu kämpfen. Diese Strukturen waren mir lange nicht bewusst, bzw. hatte ich nie das Gefühl, dass es Strukturen gab, die meinen Alltag als Frau beeinflussen. So mehr ich mich aber mit dem Thema beschäftigte, umso stärker veränderte sich mein Blick. Sexistische oder frauenfeindliche Bemerkungen fielen mir auf und brachten mich zum Nachdenken.

„Sie hat schon mit 15 Kerlen geschlafen – Sie ist eine Schlampe“

„Ich habe mich schon gefragt, was mit dir los ist, hast du deine Tage?“

„Der Rock ist viel zu kurz, die will es aber wissen“

„Dafür sind Frauen gut“

Wie kann es sein, dass solche Sätze okay sind und so häufig verwendet werden?

Ich hatte mich allerdings, trotz meiner neuen Einstellung, nie als eine Feministin bezeichnet. Dies tat zum allerersten Mal eine gute Freundin von mir. Als sie es aussprach, war ich geschmeichelt und etwas verblüfft. Es hat mich gefreut, dass man von außen wahrnahm, dass ich die Ziele der Bewegung teilte. Dennoch bin ich bis heute unsicher dieses „Label“ zu verwenden. Gerade wenn ich auf eine Feministin treffe, die ihre Einstellung mit umfangreichem Wissen und einem bemerkenswerten Selbstbewusstsein untermauern kann, werde ich unsicher und eher leise. Dann komme ich mir manchmal lächerlich vor und frage mich, ob ich nicht mehr tun müsste, als feministische Bücher wie „Becoming“ und „Good Night Stories for Rebel Girls“ zu lesen und Dokumentationen wie „Feminists: What were they thinking” und „#femalepleasure“ zu gucken und deren Botschaften zu verinnerlichen. Hinzukommen Situationen wie diese:

„Wenn ein Mann etwas eindeutig Sexistisches sagt oder tut, lache ich es oft weg, damit er sich nicht unwohl fühlt. Das ist wie ein Reflex. Hinterher denke ich: verdammt, das war keine feministische Antwort. Ich hätte dem Kerl meine Meinung sagen sollen, aber wir sind darauf konditioniert nett zu sein. Ich leide später, Hauptsache dir geht es gut“

Dieses Verhalten, wie hier perfekt von Celine Kuklowsky beschrieben, kenne ich nur zu gut und verstärkt meinen zurückhaltenden Umgang mit der Bezeichnung „Feministin“. Zu oft lächele ich bei sexistischen Bemerkungen, anstatt rauszuhauen, was ich denke. Nein, der Satz war nicht okay und vor allem nicht witzig und nein, wir Frauen sind nicht alle super ordentlich und gehören auch nicht alle in die Küche.

Das Recht über den eigenen Körper| Abschaffung von Diskriminierung | Emanzipation

Feminismus verbinde ich oft mit dem Wort „kämpfen“ und für einen Kampf braucht man Mut. Was kann ich also tun, um mehr Mut für den Umgang mit dem Label „Feministin“ zu bekommen? Ich denke, ich muss mich einfach noch mehr mit der Bewegung beschäftigen. Mehr Bücher und Artikel lesen und mehr feministischen Instagram-Acounts aufmerksam folgen, um so, mehr Hintergrundwissen zu sammeln. Denn Wissen ist schließlich Macht und ich möchte gerne die Macht besitzen, ein aktiver und selbstbewusster Teil dieser sozialen Bewegung zu sein.

Ich wünsche Dir eine wunderschöne Woche!

Deine Solveig

Dieser Beitrag enthält unbezahlte Werbung durch Namen/Marken-Nennung.

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