KW 3 – Fat-Shaming

KW 3 – Fat-Shaming

„I’d rather eat pasta and drink wine than be a size 0“ – Sophia Loren

Als ich 14 Jahre alt war, hatte ich in der Schule eine Kunstlehrerin, die in meiner Erinnerung immer wie Dolores Umbridge von Harry Potter aussah. Sie war unfreundlich, unfair und vor allem herablassend. Eines Tages bat sie mich, mitten im Unterricht, mit ihr vor die Tür zu gehen. Draußen fragte sie mich dann, nach langem Herumgedruckse, so unsensibel und plump wie es nur geht, ob ich nicht vielleicht schwanger wäre. Ich war total erstaunt und sagte direkt und unmissverständlich „nein“. Ich war mir zu 100 Prozent sicher und konnte deshalb relativ souverän (so souverän wie es halt für eine Vierzehnjährige geht) mit der Situation umgehen. Als sie dann aber noch nachtreten wollte, war mein Teenie-Ich total geknickt: „Wenn das so ist, solltest du allerdings etwas dagegen tun, damit man in Zukunft nicht denkt, dass du schwanger bist“.

Autsch! Liebe Dolores, das tat verdammt weh und war auch mit Sicherheit das Unpädagogischeste, was mir je in meinem ganzen Leben begegnet ist. Das sah nicht nur ich so, auch meine Löwenmutter schwang sich direkt ans Telefon und rief nicht nur Madame Umbridge, sondern auch noch meinen Klassenlehrer an. Die Kunstlehrerin rechtfertigte ihr Verhalten mit dem typischen Satz, den viele Leute einsetzen, wenn sie einen dicken Menschen diskriminieren: „Ich wollte ja nur helfen. Mir lag ihre Gesundheit am Herzen“…

Heute ist der offizielle Tag der Akzeptanz. Deshalb beschäftige ich mich diese Woche mit der gesellschaftlichen Akzeptanz von dicken Menschen.

„Akzeptanz ist eine Substantivierung des Verbes akzeptieren, welches verstanden wird als annehmen, anerkennen, einwilligen, hinnehmen, billigen, mit jemandem oder etwas einverstanden sein.“

Oft spricht man von Akzeptanz im Zusammenhang mit benachteiligten Gruppierungen. Minderheiten, die durch ihre Herkunft, ihre Religion, ihr Geschlecht oder ihre sexuelle Identität diskriminiert werden. Dicke Menschen allerdings, zählen in unserer Gesellschaft offiziell nicht so richtig zu diesen diskriminierten Gruppen und werden laut der Instagramseite „softie“ auch nicht im Antidiskriminierungsgesetz berücksichtigt. Dickenhass ist also eine Diskriminierungsform, die vom Großteil der Deutschen akzeptiert und schamlos so gut wie täglich durchgeführt wird.

Mein Körpergewicht war und ist mein aller größter Angriffspunkt. Aber auch, weil ich es lange Zeit dazu gemacht habe. Jahrelang sah ich meine Kilos und Kurven als meine größte Schwäche. In der Schulzeit war daher mein Körper in Streitsituation die Zielscheibe meiner „Gegner“. Das war ja schließlich auch einfach, es lag auf der Hand und für alle sichtbar. Jedes vierte dicke Kind leidet in Deutschland unter Hänseleien (Quelle: Techniker Krankenkasse). Diese passieren allerdings nicht nur unter den Schülern, auch Lehrer oder Eltern können oft gemein sein, das beste Beispiel ist unsere liebe Dolores. Aber wie kann das sein? Wieso wird es gesellschaftlich so akzeptiert dicke Menschen zu diskriminieren? Müssten wir nicht schon in der Erziehung unserer Kinder darauf achten, dass sie alle Menschen akzeptieren und respektieren so wie sie sind?

Dies ist natürlich schwer, wenn wir in einer Gesellschaft aufwachsen und erziehen, in der nicht nur über Äußerungen und Verhalten, sondern auch über Modeindustrie und Architektur dicke Menschen diskriminiert werden.

Es scheint allgegenwärtig und wird doch oft einfach unter den Tisch gekehrt.

Kleidergrößen, Sitzgelegenheiten und Sicherheitsgurte – alles Dinge, die in den vermeintlichen Einheitsgrößen Menschen ausschließen und diskriminieren. So oft stand ich schon deprimiert in der Umkleidekabine und passte nicht in das schicke neue Teil und so oft überlegte ich es mir schon zweimal ob ich mich in der Bahn auf den freien Sitz neben einem fremden Menschen setze. Einfach um niemanden mit meiner Masse zu bedrängen. Und ich habe Kleidergröße 46, wie muss sich also jemand fühlen der noch größer und breiter ist?

Um also die Akzeptanz gegenüber dicken Menschen zu etablieren, müssen wir vorhandene Normen brechen. Uns losreißen von der Vorstellung nur dünne Menschen wären schön, gesund, modisch und erfolgreich. Wir können und müssen Seh- und Denkgewohnheiten verändern, vor allem medial. Diskriminierende Äußerungen sind nicht okay und schon gar nicht hilfreich. An alle People da draußen, die glauben einem dicken Menschen mit unbedachten Sätzen helfen zu müssen. Lasst es! Es bringt nichts für euer Karmakonto und schon gar nichts für den ach so hilflosen und unwissenden Dicken.

Ich wünsche eine wunderschöne Woche, ohne dumme Aussagen, dafür aber mit ganz viel Sonne!

Deine Solveig

 

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