KW 4 – C’est la vie

KW 4 – C’est la vie

„Manche halten einen ausgefüllten Terminkalender für ein ausgefülltes Leben“ – Gerhard Uhlenbruck

Kalenderwoche 4 verging wie im Flug und war voll mit vielen schönen und aufregenden Momenten. Ich führte tolle Gespräche mit alten und neuen Bekannten. Ich hatte viel gelacht und gesungen, aber auch geflucht und gemeckert. Es flossen Tränen und viel zu viel Alkohol. Ich schmiedete neue Pläne, war spontan, enttäuscht, wütend und glücklich und als ich dann Freitagabend betrunken nach Hause torkelte, meinen Exfreund anrief und ihm amüsiert von meinem versehentlichem Sitzkissenklau in der Kneipe erzählte, merkte ich, wie müde ich eigentlich war. Ich hatte diese Woche nicht einen Abend für mich. Nicht einen Abend, an dem ich meine Gedanken ordnen und den Tag revue passieren lassen konnte. Es gab keinen Moment zum runterfahren. Sowohl mein Körper, als auch mein Kopf, waren gestresst und weil ich in den letzten Monaten gelernt hatte, auf diese Anzeichen zu hören, sagte ich zwei weitere Einladungen für’s Wochenende einfach ab. Was für den ein oder anderen unter euch vielleicht kein großes Ding gewesen wäre, fiel mir extrem schwer. Jemandem abzusagen, ohne einen triftigen Grund, wie eine Krankheit oder einen Notfall zu haben, wäre für mich noch vor ein paar Wochen undenkbar gewesen.  Aber es ging nicht anders, ich brauche die Zeit für mich. Zeit für den Haushalt. Zeit fürs Schreiben. Zeit für meine Gedanken. Zeit für Serien und Filme. So sehr ich auch die Unterhaltungen und Ausflüge mit Freunden genieße, genieße und brauche ich auch die Zeit mit mir.

„Avicii: True Stories“ war einer der Filme, die ich dieses Wochenende so nebenbei auf Netflix verfolgte. Tim erzählte an einer Stelle von dem Psychoanalytiker Carl Jung, seiner Einteilung psychologischer Typen, und dass diese Erkenntnis für den jungen introvertierten Künstler eine Offenbarung war. Diese Szene erinnerte mich an meinen „Aha-Moment“ mit der Hochsensibilität. Etwas einordnen zu können und dann offen damit umzugehen, hilft enorm im Alltag. Man vergleicht sich nicht andauernd mit den Anderen und stellt eigene Bedürfnisse in Frage. Man lernt auf seinen Körper zu hören, Grenzen festzulegen und das eigene Leben so zu gestalten, dass man es mit Freude und unbeschadet (über-)leben kann.

In meinem ersten Blogbeitrag zum Thema Hochsensibilität schrieb ich, dass ich noch lange nicht an dem Punkt angekommen bin, an dem ich weiß, wie ich in meinem Alltag mit der Hochsensibilität umgehen soll. Wahrscheinlich gibt es auch diesen einen perfekten Zustand gar nicht, es wird immer Höhen und Tiefen geben, aber dieses Wochenende und die Entscheidung, diese Treffen abzusagen, zeigen mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Die Notbremse ziehen, wenn es zu viel wird.

Habt ihr euch schon mal die Notbremsen in den Zügen genauer angeschaut? Auf den roten Vorrichtungen steht unmissverständlich in weißer Schrift „Missbrauch strafbar“. Die Notbremse darf also nur in den äußersten Notfällen gezogen werden. Wenden wir dieses Beispiel nun auf unser Leben an, ist es mit dem Notbremseziehen ähnlich. Wir bremsen erst, wenn wir eigentlich schon gar nicht mehr können. Wenn es fast schon zu spät ist. Während ich also an diesem Wochenende, dank Notbremse, auf dem Sofa sitze und über die Woche nachdenke, liste ich in Gedanken meine gewonnenen Erkenntnisse auf (ein bisschen inspiriert von Harpe Kerkelings Hörbuch „Ich bin dann mal weg“).

Erkenntnisse der Woche: 1. Finger weg vom Gin, der führt nur zu unbewussten Straftaten. 2. Ich bin noch nicht bereit für neue Dates. 3. Aufgaben nicht verschieben. Die Pfanne sofort und nicht morgen abwaschen und die Kontaktlinsenlösung direkt und nicht beim nächsten Mal einkaufen. Führt nur zu noch mehr Stress und 4. (der wichtigste Punkt) die Woche nicht mit Verabredungen und Terminen zuballern. Freiräume gezielt einplanen, um nicht am Ende ganz erschöpft nach Hause zu torkeln und die Notbremse ziehen zu müssen.

Ich wünsche Dir eine entspannte Woche!

Deine Solveig

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