KW 7 – Pudelkönigin

KW 7 – Pudelkönigin

Als ich zwölf Jahre alt war, feierte meine beste Freundin ihren Geburtstag auf einer Kegelbahn. So wie es eigentlich nach einer ganzen Kegelsaison üblich ist, kürte sie am Ende des Tages auch eine Pudelkönigin. Pudelkönig oder Königin ist die Person mit den meisten Pudeln/Nullpunkten im Team. Ich wollte diesen Titel unbedingt haben, weil er super süß klang und es als Preis einen rosa Plüsch-Pudel und eine Krone gab. Das es sich dabei eigentlich um einen Trostpreis und eine Niederlage handelte, war mir egal. Ich kegelte munter in die Rinne. Ende vom Lied war, ich habe das bekommen was ich wollte und ging mit Pudel unterm Arm und Krone aufm Kopf nach Hause. Doch wer hätte gedacht, dass sich wie ein kleiner Fluch, der Pudelzauber auf mein Dating-Leben überträgt? Mit Vollgas in den Liebes-Fehlgriff. Jetzt bitte kein Mitleid! Mir geht es blendend und damit will ich auch nicht sagen, dass all meine Dates und Beziehungen absolut schlecht und schlimm waren. Ab und zu treffe ich schon mal ein paar Kegel und mit ganz viel Glück schaffe ich auch „alle Neune“, aber irgendwie gab es immer einen Fehler, einen Haken oder eben halt einen Pudel.

Diese Woche war der Valentinstag. Ein Tag, den ich abseits von Instagram und den ganzen Influencer-Geschenke-Codes fast einfach übergangen hätte. Ein Tag, der mich allerdings trotzdem zu diesem Beitrag gebracht hat. Und zwar möchte ich euch heute entgegen der gängigen lovely Valentinstags-Vibes, etwas über vier Fehlgriffe alias Pudel aus meinem Liebesleben erzählen.

Der Arbeitslose – kennt ihr diese Menschen, die immer nur reden und nie etwas wirklich machen? Die immer nur über ihre tollen Eigenschaften quatschen, diese aber nie unter Beweis stellen? Mein zweiter fester Freund war genau so. Würde man meine Familie fragen, wäre dieser Herr für sie der Oberpudel. Der Schlimmste von allen. Der Fehlgriff meiner Jugend. Ich war 17, er fünf Jahre älter und ich lernte ihn über Freunde kennen. Was mich geritten hat mit ihm über zwei Jahre lang zusammen zu bleiben? Ich habe absolut keinen Schimmer. Seine Wohnung war ein Loch, seine Klamotten stanken immer nach Rauch und er selbst war ein totaler Nichtsnutz und immer pleite. Aber hey, angeblich hatte er mal Anzüge im Wert von über 2.000 Euro, die ihm aus dem Keller geklaut wurden (peinlichste Story überhaupt). So sehr meine Mutter und meine Schwester auch versuchten mir die Augen zu öffnen, ich machte immer dicht und nahm ihn in Schutz. Zuhause war noch nie so eine dicke Luft (Vorsicht Wortwitz) wie in dieser Zeit. Das ersehnte Ende kam dann für alle sehr überraschend, direkt als ich ihn nach zwei Monaten in London am Bahnhof wiedersah.

Der Instantnudel-Vertreter – ein Mann mit Nudeln im Kofferraum, keinen Haaren auf dem Kopf und meiner alten Kommode im Schlafzimmer. Bei unserem ersten Date kochten wir eine Broccoli-Suppe, bei dem Zweiten gingen wir ins Kino, an sich eine süße Anfangsgeschichte, aber irgendwie war er nicht so ganz mein Typ. Er hatte Schmolllippen, eine Glatze und eine komische unfreundliche Art an sich. Eigentlich ein langweiliger Kerl und eine langweilige Story, wäre da nicht unser Wiedersehen gewesen. Kurz bevor ich nach Köln gezogen bin, verkaufte ich nämlich meine ganzen Möbel auf ebay Kleinanzeigen. Als ich die Tür für eine Käuferin öffnen wollte, stand überraschenderweise der Nudelvertreter mit seiner neuen Freundin in meinem Flur. Er tat so als würden wir uns nicht kennen und als hätte er mir nicht noch vor vier Wochen eine Whatsapp-Nachricht geschrieben und begutachtete meine Kommode. Sie erklärte „wir brauchen noch einen neuen Schrank für sein Schlafzimmer“, woraufhin ich direkt antwortete „Ja, die Farbe passt ja auch sehr gut zu Holz“ (dank Roomtour beim Suppe kochen wusste ich ja wie sein Schlafzimmer aussah). Ich musste mich wirklich zusammenreißen nicht lauthals los zu lachen. Nach kurzem Handel (geizig wie damals schon im Kino) nahmen sie das Ding mit – sie unwissend, er stillschweigend. Meine Kommode im Schlafzimmer vom Nudelvertreter, na was für ein Spaß.

Pudel Nr. 3 – die typische, ins Nichts laufende Affäre – wir mochten uns, aber nicht genug für eine Beziehung. Wir verbrachten viele Abende und sogar Nächte zusammen, schauten Netflix und bestellten Essen, aber so wirklich nah und vertraut waren wir uns nie. Ich mochte noch nicht mal seinen Charakter richtig gerne, denn er wurde sehr schnell zickig, wenn er seinen Willen nicht bekam und wer jetzt denkt, der super bombastische Sex hätte uns zusammengehalten, liegt auch falsch. Rückblickend weiß ich wirklich nicht, wieso ich das über Wochen mitgemacht habe. Es war nicht mal hilfreich oder wertvoll für mein Selbstbewusstsein. Es war eher wie so eine Serie, die man angefangen hatte, weil nichts Besseres gerade da war und die dann so nebenbei lief. Was ihn zu einem Pudel macht? Ich hatte mich total unter Wert „verkauft“. Ich hatte jemandem Zeit mit mir geschenkt, der es gar nicht verdient hatte und es auch nicht zu schätzen wusste.

Der Soldat – und nun zum absolut größten Knaller meiner Tinder-Zeit. Es war Sommer und wir verabredeten uns für den Abend auf einen Drink. Ich weiß noch genau wie lustlos ich eigentlich war, denn wirklich Interesse hatte ich nicht. Als er dann unten an der Straße auf mich wartete, dachte ich „Wow, der sieht ja gar nicht so schlecht aus.“ Wir tranken gemeinsam etwas in der Innenstadt, unterhielten uns entspannt und spazierten danach wieder zurück zu meiner Wohnung. Bis heute vergesse ich nicht, wie begeistert er von seinem neuen Job erzählte. Seine Augen strahlten und er grinste bis über beide Ohren. Es war total ansteckend und zugleich super sexy und anziehend, sodass ich ihn einfach mit in meine WG nahm. Die Stimmung knisterte und obwohl der erste Kuss sehr holprig war, war er dennoch irgendwie schön. Als er sich wieder meldete, verabredeten wir uns für ein Picknick. Wir saßen mit selbstgemachtem Eistee und ein paar Snacks auf der Wiese und machten uns über ein paar Teenies lustig. Danach gingen wir wieder zu mir.  Nach 3-4 weiteren Dates stellte ich immer noch keine großen Ansprüche oder Fragen, ich genoss einfach die Sommerzeit und seine Gesellschaft. Bis ich eines Tages eine Nachricht von ihm bekam: „Ich muss dir etwas beichten…“. Er hatte eine Freundin. Eine schwangere Freundin.

Also, wie ihr an den vier Beispielen sehen könnt, die Pudelkönigin hat ein super Händchen für kleine und große Fehlgriffe. Aber wisst ihr was? Auch wenn all diese Pudel als eine Niederlage gelten könnten, sitze ich jetzt hier zufrieden und glücklich, mit Krönchen auf dem Kopf und Weinchen in der Hand und lache mittlerweile über die Geschichten, die mir all diese Pudel beschert haben. Ich bereue keine einzige, denn ohne sie, wäre ich nicht ich und könnte hier jetzt nicht diesen Beitrag für euch schreiben.

Auch scheinbare Niederlagen können eine spaßige, spannende und vor allem lehrreiche Angelegenheit sein.

Ich wünsche Dir eine wundervolle Woche!

Deine Solveig

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2 Kommentare

  1. Lolle
    25. Februar 2019 / 8:43

    Eieiei, bei dem Satz „Ich bin Soldat“ wäre bei mir schon Schluss! Und, man lernt wohl erst, sich nicht unter „Wert zu verkaufen“, wenn man dieses Gefühl schonmal gespürt hat… ich fand es sehr amüsant deine Dtories zu lesen😘😘😘😘

    • Solveig
      Autor
      3. März 2019 / 17:53

      Vielen Dank für dein Feedback! 🙂 Freut mich, dass sie dich amüsiert haben 🙂
      Da hast du wahrscheinlich recht, man merkt es wirklich zu spät.
      Hab einen schönen Abend!

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