KW 9 – Buch: We are proud to be Sensibelchen

KW 9 – Buch: We are proud to be Sensibelchen

“Es geht um Emotionen und Gefühle und darum, diese anzunehmen, achtsam mit sich zu sein, eben nicht für andere über Grenzen zu gehen und sich die möglicherweise höheren Bedürfnisse für sich selbst nicht nur zu erlauben, sondern sie wohlwollend und liebevoll zu erfüllen.”

15:30 Uhr, die Sonne scheint und ich stehe an Gleis 4 und warte auf den RE1 nach Hamm über Düsseldorf. Diese Woche werde ich also zu einer Pendlerin. Zugegeben die Strecke von Köln nach Düsseldorf ist keine Weltreise, dennoch bietet sie mir in den nächsten Tagen genügend Zeit für das Buch “We are proud to be Sensibelchen” von Maria Anna Schwarzberg. Während ich noch am Gleis stehe, freue ich mich schon auf die Fahrt. Ich werde mir einen freien Platz am Fenster suchen, die Sonne genießen und mich im Buch für 30 Minuten verlieren. Warum ich ausgerechnet an diesem Morgen, zu diesem Buch gegriffen habe, lässt sich ganz einfach erklären. In den vergangenen Tagen habe ich oft über meine sensible Seite nachgedacht, denn in meinem Beurteilungsbogen auf der Arbeit gab es den Punkt Belastbarkeit. Typisch für unsere Leistungsgesellschaft, wird diese Eigenschaft mit Noten bewertet. Macht Stress dir also scheinbar nichts aus, bekommst du eine 1. Bist du aber ein Sensibelchen steht da höchstens eine 2.

Im Buch “We are proud to be Sensibelchen” erzählen neben der Herausgeberin Maria Anna, zehn weitere sensible Autor*innen von ihren Geschichten und machen so, entgegen unserem gesellschaftlichen Erfolgsdruck deutlich, dass Sensibilität etwas vielfältiges und positives ist. Man muss nicht nur knallhart sein um Erfolg zu haben.

Das Buch beginnt mit einem Kapitel über die Hochsensibilität. Wie sie entdeckt wurde. Worum es sich dabei genau handelt und wie sie deutlich wird. Hochsensibilität ist keine Krankheit, sondern ein Persönlichkeitsmerkmal, dass mit unseren Genen  zusammenhängt. Das Gehirn eines hochsensiblen Menschens funktioniert etwas anders. Sinnesschranken sind offener. Empfindungen und Erlebnisse werden intensiver wahrgenommen und stärker und länger verarbeitet. Hochsensible bemerken kleine Veränderungen in Mimik, Gestik und Tonalität, was dazu führt, dass sie nicht nur feiner wahrnehmen, sondern auch schneller beeinflusst werden können. Zur Hochsensibilität können leidenschaftliche und vielseitige Begeisterungen und Interessen, aber auch kritische Auseinandersetzungen und ein Hang zum Perfektionismus gehören. Diese weit offenen Sinnesschranken können sehr anstrengend sein. Hochsensible Menschen haben also oft andere Bedürfnisse, die sie in ihrem Alltag aber versuchen zu unterdrücken. Bevor man sich mit dem Persönlichkeitsmerkmal identifizieren kann, struggelt man also mit seinem “Anderssein”. Das Kind beim Namen nennen zu können hilft achtsamer mit sich selbst umzugehen und das zeigen auch die verschiedenen Geschichten im Buch.

“Softness is not weakness. It takes courage to stay delicate in a world this cruel” – Beau Taplin

Anika Landsteiner – Was bleibt

Direkt von der ersten Geschichte habe ich Gänsehaut bekommen. Anika ist Autorin und hat elf Jahre gebraucht, um bei sich anzukommen. Sie erzählt von ihrer Selbstfindung und ihrer Identitätskriese. Von ihrer Zeit in der Schauspielschule und von ihrem Versuch sich Extrovertiertheit anzutrainieren. Sie erzählt von den Anstrengungen und Ängsten. Davon, wie sie einen Traum aufgeben musste, um einen anderen zu leben. Wie sie als eine Quereinsteigerin Autorin wurde und das trotz oder vielleicht auch gerade wegen ihrer emotionalen und sensiblen Seite. Sie richtete ihren Blick anstatt nach rechts und links, nach innen.

“Und wenn ich es so betrachte, dann erreiche ich mit dem Schreiben genau das, was ich mir vom Spielen immer erhofft habe. Es ist genau das, was bleibt, nachdem ich die Zwiebel meines eigenen Lebens geschält habe.”

 

Ich möchte nicht zu viel vorwegnehmen und hier nun jede Geschichte und Einzelheit aus dem Buch thematisieren. Sollte euch das Thema Hochsensibilität interessieren, kann ich euch nur empfehlen einen Blick in dieses wunderschöne zart lavendelfarbene Buch zu werfen. Am Ende des Buches geht es zusätzlich um die eigene Geschichte. Auf den letzten Seiten kann man sich mit seinen eigenen Träumen und Wünschen beschäftigen. Quasi ist man Autor*in Nr. 12. Mir haben die Geschichten dabei geholfen, meine Sensibilität und Belastbarkeit aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. In vielen Situationen habe ich mich wieder gefunden. Ich musste weinen. Ich musste lachen. Aber vor allem war es schön zu lesen, dass sensibel zu sein nichts negatives ist.

Ich wünsche Dir eine entspannte Woche!

Deine Solveig

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