KW 39 – Ich bin kein Pflaster

KW 39 – Ich bin kein Pflaster

Toxische Beziehung Teil 2 – Ihr kennt bestimmt auch alle dieses Phänomen. Nach wochenlanger Funkstille bekommt man auf einmal, wie aus dem Nichts, eine Nachricht vom Ex. Sei es der Exfreund, der Exlover oder der Exfuckboy, alle haben sie eines gemeinsam, irgendwann tauchen sie doch wieder aus der Versenkung auf.

„Hey, wie geht’s dir?“ – „Hey, was machst du so?“

Eigentlich hatte man ihn schon längst vergessen. Hatte die Hoffnung aufgegeben und war schon längst über ihn und die schöne gemeinsame Zeit hinweg und dennoch ist da dieses komische Gefühl in der Magengegend, wenn sein Name unerwartet auf dem Display auftaucht. Ein Mix aus Überraschung, Sehnsucht und Schmerz. Und genauso war es vor ein paar Wochen auch bei mir. Ganz plötzlich schummelte sich wieder Winnie Pooh in meine WhatsApp Chats und was anfänglich ganz harmlos begann, entwickelte sich nach nur wenigen Zeilen wieder zu einem gefährlichem Sog.

„Ich vermisse dich“ – „Ich denke an dich“

Seine Worte brachten mich völlig durcheinander. Auf einmal machte sich bei mir nämlich immer mehr Sehnsucht breit. Sehnsucht nach den romantischen Erinnerungen. Sehnsucht nach seinem Parfüm. Sehnsucht nach seiner Wärme und seiner Nähe. Ich war hin- und hergerissen zwischen Freude und Leid. Hin- und Hergerissen zwischen Liebe und Hass.

Bis er schrieb, dass er mich wiedersehen möchte. Da verwandelte sich das komische Gefühl, in stechende Bauchschmerzen. All das nochmal durchmachen? Das ganze Auf und Ab nochmal durchleben? Am Ende wieder leiden? Nein, ohne mich. Als ich ihm antwortete, dass ich bei ihm und insgeheim viel mehr bei mir nicht wieder alles durcheinanderbringen möchte, fragte er mich: „Denkst du denn, dass ich dir schreiben würde, wenn ich zu 100% glücklich wäre?“ und da wurde es mir klar, ich war sein Pflaster, sein persönlicher Sonnenschein oder gemeiner gesagt seine Therapeutin. Ich bin und war nie die Person bei der er sich meldet, wenn er gute Neuigkeiten hat. Ich bin die Person bei der er sich meldet, wenn es ihm schlecht geht, wenn er Aufmunterung und Aufmerksamkeit braucht, warme Worte und ein gutes Gefühl. Ich bin die Person die seinem Ego wieder einen Schups in die richtige Richtung geben soll.

Seine Frage schmerzte, denn sie machte mir all das klar. Sie zerschmetterte meine Sehnsucht und überschattete jede noch so schöne Erinnerung. Aber sie brachte mich auch dazu wieder zu erkennen wie toxisch unsere Beziehung doch war. Wieder daran zu denken, wie es ist, wenn Winnie Pooh dir das Herz bricht. Wie egoistisch er und wie hingebungsvoll ich gewesen war. Sie machte mich wütend und selbstbewusst und so waren meine letzten Worte an ihn:

„Ich bin kein Pflaster! Man kann mir nicht mal eben schreiben und dann geht’s wieder gut. Man kann sich nicht mal eben mit mir treffen und dann fühlt man sich wieder besser“.

 

Nach dem Beitrag „Wenn Winnie Pooh dir das Herz bricht“ habe ich von euch so viele Nachrichten erhalten, dass ich auch diesen Schritt mit euch teilen wollte. Viele haben mir erzählt, dass es ihnen genauso ging, dass sie sich auch schon mal in einer toxischen Beziehung verloren haben und dass ihnen meine Geschichte geholfen und gefallen hat. Für mich war es der erste Schritt in eine (meine) richtige Richtung und „ich bin kein Pflaster“ ist der zweite. Anzuerkennen, dass die eigene Beziehung falsch und toxisch war, ist das eine, danach aber sein Verhalten anzupassen, sich selbst zu schützen und selbstbewusst „Nein“ zu sagen erfordert nochmal extrem viel Kraft und Mut. Ich hoffe ich konnte dir auch ein bisschen Mut geben in Zukunft Grenzen zu setzen und dich selbst zu schützen.

Ich wünsche Dir eine wunderschöne Woche

Solveig

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3 Kommentare

  1. Denise
    29. September 2019 / 19:07

    Ich verstehe die Männerwelt nicht mehr – bei mir war es vor ein paar Wochen auch der Fall. Bis ich dann herausgefunden habe, dass er vergeben ist und sogar ein Kind erwartet. Ich frage mich, wieso man so mit den Gefühlen eines Menschens spielt. Danke, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst. Manchmal macht es das einfacher, wenn man weiss dass man nicht alleine mit seinen Erfahrungen ist.

    Liebe Grüße
    Habe mich gefreut den Blog zu lesen

    • Solveig
      Autor
      29. September 2019 / 21:28

      Hey Denise, es ist wirklich schwer in Zeiten von Instagram, Tinder und co. zu erkennen, was echt und ehrlich ist und was nicht. Ich glaube leider, dass es diese blöden Spielchen sogar auf beiden Seiten gibt, also bei Frauen und bei Männern. Danke, für dein Kommentar! 🙂 Es ist immer schön zu hören, dass ich jemanden erreicht habe und ich bin immer gespannt, welche Erfahrungen Leserinnen gemacht haben. Ich hoffe du findest einen Ehrlichen 🙂 Liebe Grüße Solveig

      • Denise
        2. Oktober 2019 / 15:31

        Das wünsche ich dir auch. Schließlich gibt es auch ganz viele tolle Männer auf der Welt, ohne Spielchen usw.

        Freu mich auf den nächsten Blog.

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