Sehnsucht nach Leichtigkeit, Sinnlichkeit und Freude

Sehnsucht nach Leichtigkeit, Sinnlichkeit und Freude

Noch auf dem Heimweg schwirren mir die Gespräche des Abends durch den Kopf und während meine Wohnungstür ins Schloss und meine Klamotten in die Ecke fallen, schnappe ich mir Notizbuch und Stift und schreibe drauf los.

Dinnerdates mit Freundinnen sind eigentlich meine größte Inspirationsquelle. Neben Themen aus Büchern, Filmen, Kolumnen oder Podcast-Folgen, sind es Gespräche mit anderen Frauen, die mich zu einer neuen Geschichte bewegen.

Oft reicht ein Satz oder ein Gedanke über ein geteiltes Erlebnis aus, um eine neue Idee zu entfachen. Es sind Treffen mit ausgefallenen Getränkekarten und geteilten Speisen, Abende mit Rotwein-Lippen und Knoblauch in der Luft. Aber vor allem sind es leichte Stunden. Stunden ohne dieses besorgte und bedrückende Gefühl auf dem Herzen.

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In den letzten Wochen hat mich die Suche nach einem Impfstoff weitaus mehr interessiert, als die Suche nach der Liebe. Jede Geschichte, die ich angefangen hatte zu schreiben, schien mir nicht richtig und einfach nicht wichtig genug. Jede Unterhaltung, die auf Tinder anfing, langweilte mich schon nach 10 Sekunden. (Da half auch die vorrübergehend kostenlose „Reisepass“ Funktion nichts). Ich lenkte mich lieber mit Homeworkouts von Pamela, mit neuen Smoothie-Bowl-Variationen und mit dem richtigen Makramee-Garn von Amazon ab als meine Gedanken und Gefühle aufzuschreiben. Dinge, die meiner Seele nämlich zu viel abverlangten, schob ich ganz bewusst vor mir her.

Unsere Welt steht momentan still. Blicke ich auf die vergangenen Tage zurück, wird mir eines bewusst: Ich hatte nicht nur sorgfältig meine sozialen Kontakte runtergefahren, sondern auch meine Gefühlswelt aufs Minimum reduziert. Ich hatte nicht nur zum Schutz anderer und aus Solidarität den 1,5 Meter Abstand eingehalten, sondern auch zu meinem eigenen Schutz aufkommende Gefühle schnell mit einem Swipe nach links weggewischt und so das Sammeln von Inspirationen gekonnt auf morgen und auf morgen und dann wieder auf morgen verlegt.

Wir alle gehen mit der momentanen Situation anders um. Manche beschäftigt es mehr, andere weniger. Manche haben Verständnis, andere sind genervt. Bei mir vermischte sich der Wunsch nach Normalität mit Furcht und Sorge. Und so sehr ich es auch versuchte, mein Herz konnte sich nicht von diesem besorgten und bedrückendem Gefühl losreißen. So sehr ich es auch versuchte, das Notizbuch blieb leer.

Bis ich schließlich schrieb:

Ich vermisse den Heimweg und die inspirierenden Gespräche mit meinen Mädels. Ich vermisse neue Dates und neue Menschen, aber vor allem vermisse ich die Leichtigkeit, die Sinnlichkeit und die Freude dabei.

 

Momentan ist es vielleicht nicht ganz so leicht, aber ich wünsche Dir eine wunderschöne Woche!

Ich hoffe Du und Deine Lieben sind gesund und euch geht es gut.

Ich bin froh, wieder “zurück” zu sein.

Deine Solveig

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